Die Abbruchs-Quoten im Studium sind in Deutschland bereits seit vielen Jahren sehr hoch. Sie liegen insgesamt bei deutlich über 20 Prozent. Besonders hoch sind sie bei Bachelor-Studenten an Universitäten – hier überschreiten sie sogar die Schwelle von 30 Prozent. Das Studium abzubrechen, ist jedoch keine leichte Entscheidung. Zum einen geht dadurch viel Zeit verloren, da die Semester, die Du bereits studiert hast, keine Früchte tragen. Zum anderen ist auch der finanzielle Aspekt beachtlich. Jedes Jahr an der Hochschule kostet viel Geld.

Wenn Du ein neues Studium aufnimmst, hast Du nur noch deutlich geringere BAföG-Ansprüche und manchmal fallen sogar zusätzliche Studiengebühren an. Wenn bislang Deine Eltern für die Kosten Deines Studiums aufkommen, kann es vorkommen, dass diese zu weiteren Zahlungen nicht mehr bereit sind, wenn Du keinen sehr guten Grund für den Abbruch vorbringen kannst. Falls Du an einer Uni in einer anderen Stadt studieren willst, kommt durch den erneuten Umzug außerdem eine erhebliche weitere Ausgabe hinzu.

Daher solltest Du es Dir wirklich ganz genau überlegen, ob Du die richtige Entscheidung triffst. Die folgenden Fragen können Dir dabei helfen.

 

1. Liegen die Gründe für die Unzufriedenheit am Studium selbst?

Viele Menschen empfinden die Studienzeit als besonders lebenswert und genießen jeden Augenblick an der Uni. Es gibt aber auch viele Fälle, in denen das nicht so ist. Oftmals entsteht eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Studentenleben, die einen häufigen Grund für den Studienabbruch darstellt.

Wenn das auch bei Dir der Fall ist, solltest Du Dir jedoch ganz genau überlegen, ob tatsächlich Dein Studienfach den wesentlichen Grund für diese Unzufriedenheit darstellt. Häufig kann das auch ganz andere Gründe haben – beispielsweise ein stressiger Nebenjob, eine anstrengende Fernbeziehung oder Heimweh und Einsamkeit. Wenn die Probleme nicht direkt mit Deinem Studienfach zusammenhängen, dann ist ein Studienabbruch wohl nicht die geeignete Lösung. Vielmehr solltest Du in diesen Fällen Deinen Alltag während des Studiums neu gestalten.

Die Universitäten bieten finanzielle und psychologische Beratungszentren an, die Dir dabei helfen können. Auch wenn Du mit Deiner Familie oder mit Deinem Partner die Probleme analysierst, findest Du häufig gute Lösungsansätze.

 

2. Bist Du generell mit dem Studium unzufrieden oder ist nur der Leistungsdruck zu hoch?

Ein häufiger Grund für den Studienabbruch ist der zu hohe Leistungsdruck. Die Studierenden fühlen sich überlastet und sind mit ihren Noten nicht zufrieden. Wenn Dir Dein Studienfach jedoch grundsätzlich gefällt, stellt das allerdings noch keinen zwingenden Grund für einen Abbruch dar.

Zum einen solltest Du verinnerlichen, dass gute Noten einen geringeren Einfluss auf Dein späteres Berufsleben haben, als oftmals angenommen wird. Sicherlich hat ein Bewerber mit guten Bewertungen einen gewissen Startvorteil. Doch ist es letztendlich viel wichtiger, welche Leistung Du später tatsächlich im Beruf lieferst.

Außerdem gibt es vielfältige Möglichkeiten, um die Leistungen zu verbessern – beispielsweise indem Du an Kursen für effiziente Lernmethoden teilnimmst oder indem Du Deinen Studienplan etwas entspannter gestaltest, um mehr Zeit zum Lernen zu haben.

 

3. Bist Du generell mit Deinem Studienfach unzufrieden oder nur mit einzelnen Bereichen?

Insbesondere am Anfang des Studiums stehen häufig Seminare und Vorlesungen auf dem Studienplan die mit den eigentlichen Inhalten des Fachs nur wenig gemein haben. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Statistik für Psychologen, Soziologen und andere Geisteswissenschaftler. Viele Studierende quälen sich lange mit diesen Inhalten herum und brechen schließlich das Studium ab.

Wenn Dir das Fach aber trotzdem gut gefällt, dann solltest Du dadurch nicht den Mut verlieren. Diese Vorlesungen nehmen nur einen kleinen Teil des Studiums ein. Du musst lediglich die entsprechenden Klausuren bestehen und kannst Dich danach endlich den Themen widmen, die Dich interessieren.

 

4. Gefällt Dir das Berufsbild, das mit Deinem Studienfach verbunden ist?

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, Dein Studium abzubrechen, dann solltest Du Dich unbedingt fragen, ob Du den Beruf, der damit verbunden ist, ausüben willst. In vielen Fällen – beispielsweise bei Medizinern oder bei Juristen – ist das entsprechende Studium die einzige Möglichkeit, um in diesem Bereich zu arbeiten.

Während das Studium nur eine Dauer von wenigen Jahren umfasst, beläuft sich eine Berufstätigkeit in der Regel auf mehrere Jahrzehnte. Wenn Du nach wie vor davon überzeugt bist, dass Dir der entsprechende Beruf Spaß machen wird oder wenn es sich dabei sogar um Deinen Traumberuf handelt, kann es sinnvoll sein, für einige Zeit die Zähne zusammenzubeißen und das Studium abzuschließen.

 

5. Lohnt sich ein Abbruch oder stehst Du bereits kurz vor dem Abschluss?

Wenn Du Dein Studium abbrichst, verlierst Du dadurch immer Zeit und Geld. Wie hoch der Verlust dabei ist, hängt jedoch immer davon ab, wie weit Du bereits fortgeschritten bist.

Wenn Du diese Entscheidung im ersten oder zweiten Semester fällst, ist er relativ gering und ein Neuanfang ist vergleichsweise einfach möglich. Wenn Du jedoch bereits zehn Semester Medizin studiert hast und kurz vor dem Abschluss stehst, dann ist der Verlust erheblich.


Falls du irgendwelche Fragen oder Anregungen hast, dann zögere bitte nicht, und schreib uns eine Nachricht.