Ein Praktikum heißt Lernen

Ein Praktikum sollte es dem Praktikanten ermöglichen, erste berufliche Praxiserfahrung zu sammeln, die gelernten Studieninhalte in der Praxis zu überprüfen und Wünsche für die berufliche Zukunft zu formen. Idealerweise profitieren beide Parteien von einer Praktikumsvereinbarung. Während sich der Student in der Praxis erprobt, bekommt das Unternehmen die Gelegenheit den jungen Nachwuchs kennen zu lernen und mit ihm frischen Wind in die Firma zu holen.

Die Grenzen zur Ausbeutung sind fließend

Dass dieser Idealfall sich häufig in ein Ungleichgewicht verkehrt, ist bekannt. Unternehmen behandeln ihre Praktikanten wie Arbeitnehmer. Das Zeit- und Leistungspensum, welches in diesen Fällen abverlangt wird, entspricht dann nicht mehr dem eines Praktikanten. Der Grad zwischen der Vermittlung von Erfahrung und der Ausbeutung der Praktikanten ist schmal. Oft ist Letzterer in seinem Bemühen darum, einen guten Eindruck zu hinterlassen, selbst nicht einmal in der Lage die Situation einzuschätzen. Dies macht es schwierig.

Im Arbeitsrecht heißt es zwar, dass ein Praktikant angemessen vergütet werden muss, sobald die Grenze des reinen Lernens hin zur Tätigkeit eines regulär Beschäftigten überschritten wird, doch muss diese Grenze zunächst einmal erkannt werden. Viele Praktikanten sind zu sehr darum bemüht, einen guten Eindruck zu hinterlassen und wagen es nicht, Einwände zu erheben. Für den Fall, dass die Tätigkeiten eines regulären Mitarbeiters durch den Praktikanten übernommen werden, darf im Nachhinein vor dem Bundesarbeitsgericht ein angemessenes Gehalt, das über einen niedrigen Praktikantenlohn hinaus geht, eingeklagt werden.

Trotz dieser Bestimmungen ist das Terrain der arbeitsrechtlichen Situation für Praktikanten bisher ein wenig Ausgestaltetes. Erschwerend kommt hinzu, dass es in Anbetracht der heutigen Notwendigkeit von Praktika und der je nach Fachbereich knappen Praktikumsplätze, kaum einer wagt, Rechte einzufordern. Viele Unternehmen nutzen diese prekäre Situation zu ihren Gunsten aus.

Genaue Absprachen helfen, Missverständnisse zu vermeiden

Am besten fährt, wer im Vorhinein die Arbeitsbedingungen sehr genau bespricht, sodass es während des Praktikums zu keinen unangenehmen Situationen kommt, in denen aus einem schlechten Gewissen heraus mehr geleistet wird als legitim ist. Üblicherweise richtet sich die tägliche Ausbildungszeit nach der betrieblichen Arbeitszeit. Das Arbeitsgesetz darf hierbei jedoch nicht verletzt werden. Dies besagt, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten darf. Es sei denn, ein Ausgleich wird gewährleistet. An Sonn- und Feiertagen darf nicht gearbeitet werden. Bestimmte Bereiche, z. B. der Journalismus oder Film, sind von dieser Regelung jedoch ausgenommen.


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